Jürgen Böhms Heimatseiten - der innere Ring

Der stille Computer

Folgende Information aus dem Internet hat mir zu denken gegeben:

Beim Tinnitus beispielsweise gibt es Indizien, dass die hochfrequenten und vom menschlichen Gehör kaum mehr wahrnehmbaren Betriebsgeräusche, welche von EDV-Systemen und manchen elektronischen Steuersystemen ausgehen, mit zu den Ursachen für die seit einiger Zeit gehäuft auftretende Wahrnehmungsstörung zählen könnten.

Aufgrund der Thesen über die verschiedenen Entstehungsformen von Tinnitus ist davon auszugehen, dass die kontinuierlichen Begleitgeräusche während der konzentrierten Fixierung auf den Bildschirm allmählich in Phantomgeräusche übergehen. Diese werden wahrgenommen, wenn die Betroffenen der Geräuschquelle nicht mehr ausgesetzt sind.

Ich selbst habe in den letzten drei Jahren einen Tinnitus entwickelt, der sich genau wie das Lüftergeräusch meiner HP Z240 Workstation anhört.

Diese ist zwar nicht gerade besonders laut - aber es sind eben Jahre über Jahre in denen ich jeden Tag drei bis fünf Stunden vor dem Bildschirm verbringe und dabei konzentriert oder auf der Suche nach Ablenkung dem Geräusch der Workstation ausgesetzt bin.

Ich merke dann nach zwei bis drei Stunden selbst, wie die Konzentration bei schwierigen mathematischen PDFs oder langen Wikipedia-Artikeln nachläßt und das Gehirn "leichteres Futter" verlangt.

Irgendwann war es dann soweit, dass ich apathisch am Rechner sass und meine "feinsten Schinken" aus meiner Speisekammer mathematischer Fachartikel nicht mehr anrühren konnte und mich mit Gummibärchen wie dem Heise-Newsticker zufriedengab.

Außerdem natürlich der Tinnitus, der sich mehr und mehr vorschob.

Kurzum: Der Leidensdruck war jetzt so groß, dass eine wirkliche Lösung gefunden werden musste!

Scheinlösungen und Lösungen

Ich wusste das es Lösungen gab:

  • ThinClients (dazu unten mehr)
  • Anbieter sogenannter "SilentPCs" oder "QuietPCs"
  • Etwa seit 2022: MacBooks und MacMinis der M-Prozessor Reihe.

Thin-Clients

Sie setzen eine räumliche Trennung von Server auf dem gerechnet wird und dem nur für die Keyboard/Video/Maus Interaktion gedachten ThinClient voraus. Die Verbindung ist meist ein schnelles LAN, ein genügend starker Server kann mehrere bis viele ThinClients bedienen.

Edle Lösungen gab es hier von SUN oder HP, den Lieferanten teurer und guter Workstations und Servern.

Doch auch sie waren kein Wundermittel - die Bildübertragung über TCP/IP forderte ihren Preis in einem gewissen Lag und Schwierigkeiten bei komplexen Bildinhalten. Ein CAD-Programm würde man wahrscheinlich so nicht betreiben.

Auch wenn CAD bei mir nicht vorkam hatte ich doch ein CUDA unterstütztes mathematisches Grafikprogramm mit Echtzeitinteraktion entwickelt, das natürlich bei mir weiterhin laufen sollte, auch wenn sonst Mathematica, Maple, Macaulay2, LaTex, firefox und evince meine Hauptanwendungen waren, daneben zur Softwareentwicklung auch Eclipse CDT.

Dass vieles davon mit ThinClients machbar war hatte ich schon gesehen - ich schreibe unten dazu noch ein paar Erlebnisse.

QuietPCs

Es gibt im Internet einige Anbieter die sich auf PC-Anwender spezialisiert haben, die einen absolut geräuschlosen PC benötigen (oder zu benötigen glauben, dazu weiter unten mehr).

Ich will die Stunden nicht zählen in denen ich die Angebote studiert und abgewogen habe, in denen ich User-Stories in verschiedenen Foren gelesen habe und am Ende blieb eine Erkenntnis:

Ein QuietPC kann nie die Leistungsfähigkeit einer leisen aber nicht lautlosen Workstation von einem der großen Anbieter wie HP oder Dell erreichen. Oder anders gesagt: Ohne Lüfter keine Leistung.

Aber damit nicht genug: Auch wer jetzt sagt: "Ich brauche die Hochleistung meiner Workstation 95% der Zeit sowieso nicht, ich brauche die "Wuppdizität" der GUI-Oberflächen", der macht sich nicht klar, wie schädlich es ist, einen Computer am thermischen Limit zu betreiben.

Meine Workstation - klassisch nach soliden HP-Ingenieursgrundsätzen entworfen und so leise gemacht wie es halt eben geht - ist jetzt 10 Jahre alt und funktionierte die ganze Zeit tadellos ohne irgendeinen Fehler.

Ob das bei einem QuietPC auch so ist? Foren-User berichten Dinge, die daran zweifeln lassen.

Letztlich muss es jeder selbst entscheiden, die Anbieter sind da, es gibt Musiker, die für ihre Tonstudios und Firmen, die vermutlich für ihre Chefetagen, solche PCs anschaffen und die renommierteren unter den Anbietern sind auch schon mehr als zehn Jahre im Geschäft.

Aber für mich nach allem was ich gelesen habe: Ein No-go!

Macs der M-Serie

Vor einigen Jahren hat Apple den Sprung gewagt und bei Prozessoren alle "alten Zöpfe" abgeschnitten und nach modernsten Prinzipien eine CPU/GPU On-Chip Kombination mit Unified-Memory entworfen, die von Anfang an herausragende Leistung mit höchster Effizienz kombinierte. Damit konnte man es wagen - auch als Weltfirma, die den besten Ruf der Welt zu verlieren hatte - einen Computer ohne Lüfter (MacBook Air) oder mit einem praktisch unhörbaren Lüfter (MacMini) zu bauen.

Leider kommt Apple für mich aus "philosophischen" und praktischen Gründen nicht wirklich in Frage: Ich weiss, das Betriebssystem ist Unix-basiert, auch sehr spezielle mathematische Linux-Software lässt sich kompilieren oder es gibt sogar MacOS Binaries, man hat ein Terminal und kann Bash-Skripten schreiben, es gibt homebrew usw.

Aber: Jede Kleinigkeit ist anders, selbst die eckigen und geschweiften Klammern liegen auf der Tastatur an anderer Stelle, es gibt kein Ctrl-C-X-V mehr, Mäuse mit rechter Taste oder gar Mitteltastenklick sind eigentlich nicht vorgesehen, CUDA funktioniert (logischerweise) nicht usw. usf. Und beim Anmelden wird einem gleich die Möglichkeit angeboten, seine Kreditkartennummer einzugeben (verpflichtend ist es allerdings nicht).

Und da ich selbst als Programmierer arbeite: Ich denke Code, der voll öffentlich ist, lebt auf einer anderen Stufe als Code der von angestellten Programmierern entwickelt wird, die genau wissen, dass ihre Sourcen immer nur intern reviewt werden - selbst wenn es sich um Programmierer handelt, die ein Apple-Jobinterview gemeistert hatten.

Die wirkliche Lösung des Problems

Seit einiger Zeit wohne ich in einem eigenen Haus und habe jetzt mehrere ungenutzte Zimmer zur Verfügung - auch, aber nicht nur, im Keller.

Da liegt der alte Gedanke natürlich nahe: Warum den Computer nicht einfach ins Nebenzimmer stellen, "ein langes Kabel über den Flur legen" und fertig.

Analysiert man den Gedanken weiter so stellt sich heraus: Ohne besondere Tricks braucht man

  • Ein langes Displayport-Kabel, vorzugsweise Glasfaser
  • Ein langes USB-Kabel mit einem USB-Hub dort wo Keyboard/Video/Maus verbleiben

Das ist natürlich nicht gerade elegant, eventuell könnte man ein Loch in die Wand bohren, es mit passenden Aufputz oder Unterputz-Kästchen auf beiden Wandseiten versehen lassen, die dann USB- und DisplayPort Buchsen bereitstellen. Denkt man das weiter merkt man: Dies ist der Holzweg.

Dennoch war der Gedanke "Computer in ein anderes Zimmer" nun wieder in die Welt getreten und um mir eine Anregung zu holen, wie Leute wie Stephen Wolfram so ein Problem lösen habe ich mich mal auf seinem Blog

Seeking the productive life

umgesehen und mir Inspirationen gesucht. Die sind dann auch gekommen: Nun wusste ich, was ich brauchte war ein KVM-Extender oder ein KVM-Switch und den am besten mit einer Glasfaser-Verbindung zwischen den beiden Seiten.

Früher hätte man solche Pläne für teures Geld mit dem Berater einer IT-Planungsfirma diskutieren müssen, der dann passende Geräte auswählt - heute gibt es die KI! Und so habe ich erst Gemini und dann ChatGPT in längere Gespräche verwickelt, die dann in einen Plan für eine Sofortlösung und eine längerfristige Strategie mündeten.

Die Sofortlösung - Lindy 39376

Wenn es das Wort "Geheimtip" noch nicht gäbe, für dieses Produkt müsste man es erfinden: Lindy 39376

Ein glasfaseroptischer KVM-Extender (kein Switch) der alle KVM-Daten, einschließlich DisplayPort 1.2 in einer Glasfaserverbindung zwischen Transmitter und Receiver bündelt, dabei alle Bilddaten 1-1 ohne Formatumsetzung subpixelgenau überträgt und einen völlig lagfreien remote-Betrieb ermöglicht.

Doch wird über dieses Wundergerät lang und breit berichtet? Schreibt der Heise-Newsticker darüber oder Golem oder Chip? Oder die angelsächsische Computerpresse? Oder Tom's Hardware?

Google liefert jedenfalls bei "Lindy 39376" nur Bezugsquellen und herstellereigene Funktionsbeschreibungen - dabei müsste eigentlich ein Fanfarensignal erschallen und der ganzen Welt bekannt machen:

Wenn Du in Deinem Haus einen Raum hast in den Du Deinen lauten PC verbannen kannst und willst und wenn Du ihn trotzdem noch mit anspruchsvoller Grafik lagfrei nutzen willst - dann ist die Lindy 39376 Deine Rettung!

Nach etwa einer Woche Abwägung habe ich es dann auch verwirklicht und mir über Conrad eine solche "Lindybox" bestellt und bei der "Kabelscheune" die nötigen Glasfaser und DP-Kabel, die man noch braucht. Die Glasfaser habe ich erstmal frei im Flur von Türrahmen zu Türrahmen mit Tesa PowerStrip Kabelclips verlegt - auch das Einstecken der Glasfaser (ich habe das zum erstenmal gemacht und hatte so meine Befürchtungen) klappte ohne Probleme und seit zwei Tagen ist es soweit:

Ich arbeite am Computer in völliger Stille! Tagsüber höre ich die Vögel im Garten zwitschern und mein Tinnitus bildet sich schon seit dem zweiten Tag nach und nach zurück! Wie konnte ich nur so lange auf diese wunderbare Lösung warten und mich stattdessen mit der Überlegung abquälen, ob ich nicht doch einen MacMini kaufen sollte.

Weil ich weiss, dass es vielen Lesern im Internet genauso geht, habe ich dann sofort beschlossen eine Webseite zu machen, die auch andere "zum Licht" oder besser gesagt "in die Stille" führt, denn es ist wirklich ein Skandal, dass hier die Lösung für ein Jahrhundertproblem immer noch im verborgenen blüht.

Ich gebe zu, es ist nur eine Lösung für diejenigen, die in ihrer Wohnung einen Abstellraum oder eben ein Haus mit ungenutzten Räumen haben - aber wenigstens diese können ihren Ohren dieses "Geschenk der Stille" machen. Sie werden es ihnen danken!

Der stille Computer - Erinnerungen, allgemeine Gedanken und eine "stille" Begegnung

Autolärm, Motorenlärm, Flugzeuglärm waren schon in den 60er Jahren, als eine Modernisierungswelle über die Welt und Deutschland hinwegging, Probleme über die diskutiert wurde. Seit der Zeit des "PCs", also spätestens seit den 90er Jahren und allerspätestens seit den 2000er Jahren, als jeder "im Internet" sein wollte, kam eine neue Geräuschquelle hinzu: Das Lüftergeräusch des Computers an dem man sass, seine Arbeit verrichtete, im Internet surfte oder spielte.

Dieses Mal kam das störende Geräusch nicht von weit weg, nicht von der Straße vor dem Haus, nicht von Flugzeugen, die am Himmel ihre Bahn zogen, sondern es entstand nur einen Meter von den eigenen Ohren entfernt und war trotzdem, oder gerade deswegen, scheinbar nicht einzudämmen.

Eine Begegnung

Eines Tages im Frühling, im Jahr 2005 oder 2006 suchte ich Professor Harder in Bonn in seinem Büro im versteckt gelegenen Max-Planck-Institut für Mathematik auf, um über einen mathematischen Aufsatz zu sprechen. Das geräumige helle Zimmer war mit grauem, büroüblichen Nadelfilzteppichboden ausgelegt, an den weißen Wänden reihten sich Regale mit Büchern, mathematischen Zeitschriften und diversen Papierstapeln.

Auf dem Schreibtisch stand, schräg links an der Seite, ein für die damalige Zeit riesiger 21 Zoll Flachbildschirm und ein kleines Kästchen, das mit Bildschirm, Maus und Tastatur auf der einen und einem in die Wand verlaufenden Netzwerkkabel auf der anderen Seite verbunden war.

Ein kleines Kästchen, kein Lüfter, der Bildschirm zeigte einen grauen Hintergrund, er wurde wohl hauptsächlich für eMails zum Kontakt mit Kollegen aus aller Welt benutzt oder zum Verfassen von mathematischen Texten mit LaTeX.

In dem Raum herrschte, obwohl also alle benötigten Computerresourcen zur Verfügung standen, vollkommene Stille. Die dicken Mauern des alten, nach modernstem Standard umgebauten ehemaligen Postgebäudes ließen kein Geräusch hindurch, ebenso die großen, mehrfach verglasten Fenster - es war ein ganz dem Nachdenken gewidmeter und für das Nachdenken geschaffener Ort. Lüfterlärm eines PCs durfte hier nicht vorkommen und so hatte das Institut alle Büros für seine mathematischen Mitarbeiter und Gäste auf diese Weise ausgestattet.

Die Suche nach dem stillen Computer

Vor meinem Besuch bei Professor Harder hatte ich mir über Computerlärm niemals besondere Gedanken gemacht - er war, wie der Straßenlärm in einer großen Stadt, eben eine Zutat des modernen Lebens und ihm ausgesetzt zu sein der Preis, den man für die vielfältigen Möglichkeiten, die der PC bot, zu entrichten hatte.

Doch nun war klar: Es ging auch anders. Ich fand schnell heraus, dass das geheimnisvolle kleine Kästchen auf Harders Schreibtisch ein "ThinClient" der Firma SUN war, und damit Teil einer gutausgedachten, aber für mich, der ich wie ein Student in einer 1-Zimmerwohnung lebte, unerreichbaren Lösung dieses Problems.

Am Ziel der Suche

Die Lindy 39376 (siehe oben)!

 

 

 

 


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